Polizeikontrolle

Alles was noch mit der G650X - Serie zu tun hat.
g650-muc
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von g650-muc » 27.11.2020, 10:39

Matthi hat geschrieben:
26.11.2020, 20:35
Hier wird das Messverfahren ausführlich erklärt.

https://youtu.be/mTZsvasHVx8

danke, jetzt ist es klar.
Gruß
Richard

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cowy
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von cowy » 04.12.2020, 23:39

Etwas anders:

Ich fahr hinter der Polizei her.
Plötzlich fahren Sie aufs Bankett, dann über den Mittelstreifen,
deutlich Schlangenlinien mäßig :shock:
Sichtbar mehr mit dem Rückspiegel beschäftigt
Sie fahren rechts in einen kleinen unbefestigten Parkplatz, ich daneben.
Sie: Was iss'n das?
Ich: N Schwenker.
Sie: sowas hamm mer no gar nie gsehn...jetzt fahr doch mal.

Also gut - ich bin dann im Drift ums Polizeiauto und weiter
driftend auf die Straße und davon.
Im Rückspiegel sah ich das Auto nur noch schemenhaft in der Staubwolke :lol:


Grüße, Cowy
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James
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von James » 05.12.2020, 10:49

Klasse Geschichten, da sollte ich doch glatt einmal eine Runde Brainstorming auflegen, bei 50 Jahre Motorrad wird sicher die eine oder andere
Bullerei-Geschichte an´s Tageslicht kommen! :mrgreen:
Wo ich bin ist vorn, bin ich hinten, ist hinten vorn!

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Fuzzy
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Fuzzy » 05.12.2020, 17:17

James hat geschrieben:
05.12.2020, 10:49
Klasse Geschichten, da sollte ich doch glatt einmal eine Runde Brainstorming auflegen, bei 50 Jahre Motorrad wird sicher die eine oder andere
Bullerei-Geschichte an´s Tageslicht kommen! :mrgreen:
Tu das! Ich sag nur "Das Motorrad im Baum" oder "Germany 7 points" von Michel l'Allemand. Solche Stories bekommst du auch gebacken. Wir sind gespannt!

Fuzzy

James
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Re: Polizeikontroll

Beitrag von James » 05.12.2020, 19:38

So, ich habe tatsächlich ein paar Geschichten auf Lager!
Es war so Mitte der 70er Jahre, ich war damals Präsi eines Motorradclubs.
Mit einem befreundeten Club aus der Nähe von München fuhren wir über das Wochenende zu einem Treffen, wobei wir in etwa 30 Motorräder waren!
Natürlich war es auf dem Treffen ziemlich nass, was jetzt Alkohol betrifft und klar hatten wir auch viel zu wenig Schlaf, als wir Sonntagmittag wieder nachhause fahren wollten und bei 95% war auch der Alkoholspiegel nicht wirklich in vorgeschriebener Höhe, aber das nur am Rande.
Also alle auf´s Motorrad und Richtung Heimat, ich vorne als Erster und nach etwa 5 Kilometer wurden wir von einem Polizisten mit der Kelle auf einen kleinen Parkplatz geleitet.
Vor uns erwischte es auch einen roten Opel Kadett mit einem jungen Mann als Fahrer.
Einer der Polizisten meinte zu mir, ob ich als Erster damit einverstanden wäre, in das Alkoteströhrchen zu blasen und wenn alles in Ordnung wäre, dürften wir alle weiterfahren. Tja, was sollte ich machen, es war klar, die Jungs würden sich heute bei der Menge Führerscheine eine Beförderung verdienen!
Also ich und der Opel Kadett Fahrer standen uns gegenüber, er hatte bereits in das Röhrchen geblasen und ich wollte gerade ansetzen, als etwas weiter vorne an einer Kreuzung ein Autofahrer einen Blitzstart hinlegte und dementsprechend Krach machte, wobei die beiden Polizisten sich kurz umdrehten, um zu sehen was da Sache ist! Was jetzt passierte, ging so schnell, dass ich einige Zeit brauchte, um es zu realisieren!
Der junge Kadettfahrer riss mir mein Blasröhrchen aus der Hand, drückte mir sein eigenes Röhrchen in die selbe und blies in mein Röhrchen, das jetzt seines war. Die Polizisten drehten sich zwischenzeitlich wieder um, nahmen unsere Röhrchen, meinten, da habt ihr aber Schwein gehabt, beide kein Alkohol, ihr dürft alle weiter fahren! Der Kadettfahrer stieg in sein Auto und bevor ich das alles richtig geistig verarbeiten konnte, war der Junge leider weg!
Der junge Kadettfahrer war unheimlich geistesgegenwärtig, war für uns alle der Schutzengel und hat uns alle den Arsch gerettet!
Leider konnten wir ihn nicht mehr einholen, wahrscheinlich irgendwann abgebogen und so konnten wir uns nicht einmal mehr überschwenglich bedanken, den großzügig gespendet hätte jeder!
Wo ich bin ist vorn, bin ich hinten, ist hinten vorn!

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Fuzzy » 08.12.2020, 22:32

Also einen hätt' ich noch. Nicht von mir, sondern Michel l''Allemand hat sie erzählt. Deshalb kennen die Story schon einige von Forum... :D

Der Gendarm vom Schwanensee

Wenn ich von unserer Wahlheimat, dem Vaucluse in die alte Heimat Stuttgart fahre und zwei – drei Tage Zeit dafür habe, nehme ich natürlich das Motorrad. Anders als mit dem PKW, den ich die 860 langweiligen Kilometer über die Autobahn treibe, genieße ich dann die Landschaft und die Strecke auf kleinen, leeren Nebenstrassen. Nicht die Geschwindigkeit macht das Erlebnis, sondern der intensive Kontakt zur Natur, inklusive Fahrtwind, Sonne und natürlich auch mal Regen. Aber auch die Herausforderung, die lauernden Gefahren, wie Bitumenflecke, Rollsplitt oder unachtsame Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu erkennen, machen für mich den Reiz aus.

Meine Route nach Norden führt durch die Drômeberge, quert den grandiosen Vercors, folgt ein Stück lang der unbekannten Rhone, um dann in den französisch-schweizer Jura einzutauchen. Alleine das Abenteuer der Durchfahrung des in den puren Stein gehauenen, unbeleuchteten und einspurigen Tunnels an der Route des Ecouges im Vercors, oder der Naturparks ‚Hoher Jura’ sowie der Doubs sind diese Reise wert.

Während der Fahrt entlang der hier noch sehr sauberen Rhone bei Belley liegen zahlreiche Seen und Strandbäder, die zu einer Pause einladen. In einem der Seen dümpeln im Sommer – warum auch immer – geschätzt 200-300 Schwäne auf einem Haufen. Ich nenne ihn deshalb ‚Schwanensee’ und jeder, der mit mir schon dort vorbeigekommen ist, weiß von welchem See ich rede. Kommt man von Süden, liegt der See nach einer Kurve auf der rechten Seite. Noch am Seeanfang zweigt rechts eine Straße ab die eine Brücke quert. Fährt man geradeaus weiter nach Norden, ist rechts der Straße ein geschotterter Seitenstreifen, der auch als Parkplatz genutzt wird. Und da stand er: ‚Mein Freund’ der Motorradgendarm!

Er war groß und schlank, fast hager. Vermutlich hatte er die Gene von Lucky Luke. Seine dunkle Reiterhose aus Stoff, kombiniert mit hohen Reiterstiefeln verstärkte noch sein schlankes Erscheinungsbild. Ein kurzärmliges, hellblaues Diensthemd gab ihm amtliches Aussehen. Diese, bei einem Sturz nicht gerade sichere Bekleidung wies ihn als Beamten der französischen Motorradpolizei aus.
„Ein Motorradpolizist stürzt nicht!“
sagte mir vor ein paar Jahren einmal ein Motorrad-Flic, den ich am Rande eines Radrennens darauf angesprochen hatte. Na ja, dachte ich damals, wenigstens rutscht menschliche Haut auf Asphalt nicht soweit wie moderne textile Sicherheitskleidung…

Aber keine Angst, anstatt eines Motorrades parkte neben meinem ‚Lucky Luke’ ein uralter Dienst-Peugeot. Ich hatte die Vermutung, er war strafversetzt und musste deshalb die älteste französische Dienstkarre der Polizei aufbrauchen. Dreimal bin ich in zwei Jahren dort vorbei gefahren. Zweimal war er samt seinem alten Peugeot da und hat mich angehalten. Beim ersten Mal:

„Bonjour Monsieur. Votre permis et la carte grise, s’il vous plaît“ – Guten Tag, Ihre Papiere bitte.
Klar geht in Ordnung. Ich gab ihm Führerschein und Kfz-Papiere.
„Ah, vous êtes allemand?!“
sagte er und packte sofort – für Franzosen im Allgemeinen unüblich – seine Deutschkenntnisse aus. Ich wusste nicht so recht wie ich mit ihm sprechen sollte. Um nett zu sein blieb ich zunächst bei meinem ‚Ausländer-französisch’. Immerhin waren wir ja in Frankreich. Er blieb jedoch eisern bei seinem gebrochenen Deutsch! Meine Papiere interessierten ihn überhaupt nicht mehr. Stolz erklärte er mir, dass er privat, wie ich, auch eine BMW fahre, eine 1200 RT.
„Deutsche Qualität!“ fügte er hinzu und tätschelte mein Motorrad.
„Ihr Urlaub ist schon vorbei? Sicher sind Sie auf dem Rückweg nach Deutschland?“
„Nein“, sagte ich zu seiner Verblüffung. „Ich bin in auf dem Weg in den Urlaub. Den mache ich in Deutschland.“
Als ich ihm weiter erklärte, dass ich in der Nähe von Avignon lebe, aber aus Stuttgart stamme, strahlte er.
„Ich war schon in der Nähe von Stuttgart beim weltweit größten BMW-Motorradtreffen. Es war klasse und ich liebe deutsches Bier und Schwein’axe!“
Potzblitz – ich war beeindruckt. Ein Franzose der Deutschland kennt und von einer Schweinshaxe schwärmt. Allerdings musste ich ihn vorsichtig aufklären, dass das BMW-Treffen in Garmisch-Patenkirchen, also in Bayern und damit aus französischer Sicht eher Richtung München stattfand. Es interessierte ihn nicht sonderlich. Deutschland war Deutschland für ihn. Nach 20 Minuten Smalltalk bei dem er mir seine letzten Motorrad-urlaube ausführlich beschrieb, erwähnte ich, dass ich jetzt doch weiterfahren müsse. Immerhin, es wäre noch weit bis Stuttgart. Dafür hatte er Verständnis. Ungeprüft gab er mir meine Papiere zurück. Mit einem
„Bon, pas de problème – bonne route! Vielleicht sieht man sich ja mal beim BMW-Treffen“ entließ er mich.
„Ja sicher“ sagte ich, klappte das Visier runter und drehte beim Anfahren ordentlich am Quirl. Wir waren ja Glaubensbrüder.

Das Jahr darauf. Ich näherte mich dem ‚Schwanensee’ und tatsächlich waren die Viecher wieder zuhauf auf dem Wasser. Durch die Kurve hindurch, an der Kreuzung mit der Brücke vorbei und… Ja, da stand er wieder. Der Motorrad-Flic ohne Motorrad. Natürlich hielt er mich an.
„Bonjour Monsieur. Votre permis et la carte grise, s’il vous plaît“.
Beides gab ich ihm, fügte der Ordnung halber sogar die grüne Versicherungskarte hinzu.
„Ah, vous êtes allemand?!“
Hatten wir das nicht schon mal?
„Ich fahre privat auch BMW, war schon beim BMW-Treffen in Stuttgart…“
Ich lächelte und sagte
„Garmisch!“
Irritiert schaute er mich an. Flugs erklärte ich ihm, dass er mich im letzten Jahr schon einmal angehalten habe und wir über das BMW-Treffen bereits gesprochen hätten. Noch einmal gab ich mir alle Mühe und erklärte ihm den Unterschied zwischen Garmisch und Stuttgart. Er lächelte mich selig an und ich wusste, dass er es nicht verstanden hatte. Aber was sind für einen Franzosen schon ein paar hundert Kilometer Distanz, wenn sie in Deutschland liegen. Nach einem wiederum längeren Plausch – die Papiere interessierten ihn abermals nicht – verabschiedete ich mich mit einem Schmunzeln unterm Helm von meinem amtlichen ‚Lohengrin’ mit seinen Schwänen im Hinterrund.
„À bientôt – bis bald, spätestens im nächsten Jahr“.
Und für das nächste Mal nahm ich mir fest vor, ihn nach seinem Dienstmotorrad zu fragen. Schließlich stand auch bei dieser zweiten Kontrolle nur der blaue, verratzte Polizei-Peugeot am Parkplatzrand.

Im folgenden Jahr sah ich ihn nicht. Vielleicht war ja der Dienst-Peugeot kaputt. Aber im darauf folgenden Sommer! Es war brütend heiß und der Parkstreifen am ‚Schwanensee’ war leer. Ungefähr zwanzig Kilometer weiter war ein kleines schattiges Wäldchen rechts neben der Straße. 100 – 200 Meter vor mir fuhr ein PKW. Plötzlich sprang ein langer, schlanker Kerl aus dem Schatten des Wäldchens auf die Straße. Er hatte Reiterhosen, Hemd und hohe Stiefel an. Mit seiner Haltekelle winkte er den PKW vor mir auf einen dort beginnenden Waldweg. Ich war nicht gemeint und fuhr vorbei. Beim Blick in den Rückspiegel hatte ich das Gefühl, der Flic sah mir nach. Sicher sagte er sich beim Erkennen meines ‚S’ im Nummernschild:
„Ah, il est allemand – er ist Deutscher und kommt aus Stuttgart. Da war ich schon beim BMW-Treffen…“

Und noch etwas fiel mir auf. Im Schatten der Bäume stand ein nagelneuer Dienst-Peugeot. Ich schwor mir nochmals: das nächste Mal werde ich anhalten, ob er will oder nicht, und ihn endlich nach seinem Dienstmotorrad fragen.

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Doppio » 08.12.2020, 22:48

Daumen ganz hoch! Danke Fuzzy!
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Hotzenplotz » 09.12.2020, 09:34

Jajaaa, die Franzosen! :D
Wer so etwas noch nie erlebt hat, schiebt solche Geschichten gerne ins Reich der Fabeln. Aber: SO sind sie... :mrgreen:

Als die Kinder klein waren, haben wir in der Nähe von Narbonne eine Feriensiedlung bei Gruissan entdeckt. Ich liebe ja Meer und Strand, solange ich dort nicht in der Sonne rumliegen oder im Sand buddeln muss, was aber halt ganz das Ding meiner Kinder war. Die Feriensiedlung liegt an einem kilometerlangen Strand, der auch im Sommer noch ein Plätzchen bietet, an dem einem das Eis des Nachbarn nicht auf die Zeitung tropft. Und in der anderen Richtung liegt hinter Narbonne ein grandioses Motorradrevier: Montagne noire, Corbières, les Fenouilèdes und wer weiter fahren will auch die Pyrenäen. Herrlich! Als die Kinder noch klein waren, sind wir ein paar Mal mit einem befreundeten Ehepaar dort gewesen. Die Damen und die Kinder waren am Strand und die Herren mit den Motorrädern auf den Straßen. Am späten Nachmittag trafen sich alle froh gelaunt wieder. Alle waren zufrieden.

Ein paar Jahre später, als die Kinder groß waren, haben wir immer mal wieder zwei Wochen im Frühling oder Herbst dort verbracht. Und in einem wirklich grandios lieblich warmen Herbst spielte sich die Begebenheit ab:

Zwischen Meer und Narbonne liegt das Montagne de la Clape. Ursprünglich war das eine vorgelagerte Insel, deren Umgebung durch die Aude im Lauf der Jahrhunderte versandete. Mitten durch diese Gebirge führt eine Straße. Eine Kurve nach der anderen mit Blick auf Weinfelder, Felsen und Meer. Es ist eine meiner Lieblingsstrecken und ich bin in den Sommern spätabends oft nur noch schnell mal diese kleine Genießerrunde gefahren.
In eben diesem oben erwähnten lieblich warmen Herbst kamen wir von der Autobahn und: Die Straße war gesperrt. :? Auf den Schildern war der Zeitraum der Sperrung angegeben: Deckungsgleich mit unserem Urlaub! Bäääähhh...
Sicher war das kein Weltuntergang, weil: "grandios lieblich warmen Herbst", aber halt schade! Ich freute mich auf's nächste Jahr, weil man der alten Holperstrecke einen neuen Belag gegönnt hatte. An unserem letzten Urlaubstag nun sah ich, wie die ganze Fahrbahnbearbeitungsmaschinerie zur Abfahrt bereit hinter der Absperrung stand. Schnell war der Entschluss gefasst: Ich fahre die Straße noch einmal. Die ist ja fertig und dazu noch gesperrt! So wird man die nie wieder fahren können. Ich hatte damals eine F-Dakar und es machte einen Riesenspaß, bis am andern Ende der Strecke an der Sperre zwei Gendarmen mit ihren R 1100 R in hässlichblau standen. Ich hielt in angemessenem Abstand an und überlegte zu wenden. Aber gegen die R hätte ich keine Chance gehabt und ich bin sicher, dass wenigstens einer der beiden mindestens so gut fahren würde wie ich. Die beiden winkten aber schon und so entschloss ich mich dazu, aufrecht stehend mein Knöllchen abzuholen. Der eine fragte mich unterkühlt nach meinen Papieren, der andere grinste wirklich nur saudoof. Ich wollte erklären, warum ich jetzt hier vor ihnen stehen würde, aber der doof Grinsende meinte nur, er wisse ganz genau, warum ich hier stehe. Ich war verdutzt! Denn er sprach DEUTSCH, in einem Dialekt, wie man ihn bei uns an der Grenze im Lothringen spricht. Es stellte ich heraus, dass er kaum 20 km von meinem Wohnort (Saarbrücken) geboren wurde und irgendwann eine Frau aus Béziers geehelicht hatte und deshalb hier Streife fährt. Wir unterhielten uns sicher eine Viertelstunde über die Herrlichkeit des Seins im Süden der Grande Nation und dabei erfuhr ich schließlich, dass sie "Augenzwinkermodus an" sich unbedingt von der Beschaffenheit der neuen Strecke überzeugen mussten, bevor die am kommenden Montag für den Verkehr wieder freigegeben werden würde. "Augenzwinkermodus aus"
Ich wurde - mit erhobenem Zeigefinger - ermahnt, dass man Absperrungen nicht umfahren darf und er erklärte, sie würden jetzt wieder zurück fahren. Ich solle aber nicht auf die Idee kommen, ihnen zu folgen. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Unserem Tempo würden Sie sicher nicht folgen können und ausserdem sehen wir überhaupt nix in den Rückspiegeln und müssen uns auf die Straße konzentrieren!"
War das eine Einladung, denen hinterherzufahren? Wir verabschiedeten uns herzlich (tatsächlich) und ich hatte längst beschlossen, der Einladung zu folgen. Die Gendarmen fuhren mit eingeschalteten Blaulichtern los und ich hinterher. So schnell war ich nie zuvor und nie wieder dort unterwegs. Die Typen fuhren lebensverachtend und hatten zum Schluss sicher einen halben Kilometer Vorsprung. Am anderen Ende winkten beide zum Abschied (so viel zu den Rückspiegeln) und ich stand da wie jemand, der ein paar Aliens beim Picnic überrascht hat...
LG
Thomas

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Doppio » 09.12.2020, 10:00

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben! Danke auch für diese!
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von g650-muc » 09.12.2020, 11:37

wunderbar
Gruß
Richard

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Fuzzy » 09.12.2020, 12:44

Sehr schön! Wer weiß noch was? @Doppio, gab's da nicht Mal was mit 'ner "Doppio-Rinne"?

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Doppio » 09.12.2020, 13:17

Fuzzy hat geschrieben:Sehr schön! Wer weiß noch was? @Doppio, gab's da nicht Mal was mit 'ner "Doppio-Rinne"?

Fuzzy
Da war mal was ;-).

Doch wenn Michel d'Allemand nicht dabei war und es in wohlfeiler Form zu Papier gebracht hat, wird die Story kaum eine werden. Wir wissen allerdings seither, dass der originale BMW-Motorschutzbügel (also der für "unten herum") nicht taugt und bei erstbester Gelegenheit und Bodenkontakt die Schweißnähte an der Fußrastenbefestigung reißen. Die Hardparts von Erik dagegen sind Gold wert - sahen aber auch sehr mitgenommen aus. Geradebiegen und Nachlackieren war schnell gemacht! Die Fluktuation von Heckblinkern ist ebenfalls frapant - mindestens einer liegt noch im Matsch vor dem Eisenbahntunnell. Snief.

Schöne Grüße,
Doppio
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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Fuzzy » 09.12.2020, 19:44

@Doppio - Naja ein paar Basics hast du ja immerhin aufgelistet 8)

@all - So, wo bleibt die nächste Geschichte??? :)

Fuzzy

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Hotzenplotz » 10.01.2021, 15:37

Fuzzy hat geschrieben:
09.12.2020, 19:44
@all - So, wo bleibt die nächste Geschichte??? :)
Voilà!

Es geschah am hellichten Tage! Wir waren auf der Rückfahrt vom Urlaub in Südfrankreich auf der A6 kurz vor der Ausfahrt Tournus. Damals hatte ich einen VW T4 Multivan mit einem cate Hecklastträger (https://www.allround-hecktraeger.de/cat ... tentraeger).

Bild

Das Teil ist genial, weil man damit auch in Deutschland kein Tempolimit hat. Das Fahrgefühl war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Dem Multivan fehlte ein Stabilisator hinten und die Federn und Dämpfer waren hinten etwas weich. Gut, wenn man sich auskennt. Den T4 gab es ja auch als Krankenwagen und der hatte, um die Neigung in Kurven zu reduzieren, einen fetten Stabi verbaut. Also: Einbauen! Hinzu kamen dann noch Dämpfer und Federn vom Transporter mit langem Radstand und ab dem Zeitpunkt war die Kiste superstabil. Auf deutschen Autobahnen konnte man damit problemlos 150 km/h +/- machen.

Nun ja, zurück auf die A6 kurz vor Tournus: Wir waren mit der gelben F auf der linken Spur mit ca. 120 km/h unterwegs und überholten einen Ford Transit der CRS, der ganz rechts auf der dreispurigen Autobahn mit vielleicht 100 unterwegs war. Als wir auf gleicher Höhe waren, schaute der Fahrer zu uns rüber und in seinem Gesicht konnte ich zwei Dinge lesen:
1. Er hatte Ausserirdische erblickt.
2. Er würde die Aliens nicht entwischen lassen!
Im Rückblick sah ich: Blinker links und Blaulicht! Wir wurden zur nächsten Ausfahrt eskortiert: Tournus!

Eine Anmerkung zur CRS: Das ist eine Art Bereitschaftspolizei, die in Frankreich den Ruf hat: "Draufhauen, dann fragen!" Sie hat nicht den Ruf, im Besitz überbordender Intelligenz zu sein. Das durften wir am eigenen Leib erfahren.

Während der Fahrer staunend ums Auto schlich, holte der Beifahrer die Waage aus dem Transit. Aha! Daher wehte der Wind! Der Bussi wurde gewogen und in Addition ergaben das knapp unter 2700 kg. Das hat mich nun nicht überrascht, wohl aber den CRS-Chef. Der hat sich die Zulassung geschnappt und das Leergewicht entdeckt. Damit nahm der Spaß seinen Lauf. Trotz meiner recht ordentlichen Sprachkenntnisse konnte ich erst nicht verstehen, was der wollte und später konnte ich nicht fassen, was der wollte.

Nach dem Umbau des Bussis habe ich erstmal das zul. Gesamtgewicht auf 2790 kg erhöhen lassen. Weil ich ganz gern sehr ganz genau wissen wollte, wieviel ich in die Kiste laden darf, habe ich das Teil wiegen lassen. Das Gewicht lag damals bei ca. 1950 kg.

Nun zu dem, was ich nicht fassen konnte: Er erklärte mir in der Art, wie man einem Kind erklärt, dass ich das zulässige Gesamtgewicht in Höhe von 1950 kg mit meinem Motorrad wohl dramatisch überschritten hätte. Ich versuchte ihn darauf hinzuweisen, dass dies das LEERGEWICHT des Busses sei. Sein süffisant-mitleidiges Lächeln löste in mir einen Adrenalinschub und dramatische Erhöhung des Blutdruckes aus. Dem Beifahrer war das wohl klar, weil der völlig abwesend ins Gebüsch schaute. Wieder mal: Einen französischen Vorgesetzten weist man nicht auf seine Fehler hin!

Die Diskussion ging hin und her und schließlich faselte er etwas von nicht mehr weiterfahren. Das veranlasste mich zu einer dramatischen Maßnahme:
Ich bat um zwei der Radwaagen, die mir tatsächlich vor die Füße gestellt wurden. Nun wog ich erst nacheinander meine Frau, meine drei Kinder und mich. Dann wog ich alle Gepäckstücke. Schließlich lud ich die F ab und wog auch die. Auf meine Bitte addierte der Beifahrer die notierten Gewichte: Der Wert lag bei knapp über 700 kg. Von den 1950 kg (dem angeblichen zul. Gesamtgewicht) abgezogen, war ich bei knapp über 1200 kg. Die Frage, ob er nun glaube, dass was nun vor ihm stand würde 1200 kg wiegen und ob er wisse, was ein Renault Mégane wiegt, lies ihn sichtlich stutzen. Der Beifahrer hatte die Waagen inzwischen verstaut. Der Polizeichef murmelte ein leises "Je suis désolé!" und dass er telefonieren müsse, stieg in den Transit und fuhr los.

ER FUHR EINFACH LOS!!! Auf die Autobahn - weg war er! Wie ein Sommergewitter!

Und meine Familie stand auf dem Platz vor der Zahlstelle in Tournus. Alle nebeneinander, Gepäck auf dem Bürgersteig, Möpi abgeladen und blöd aus der Wäsche schauend. Meine älteste Tochter fand als Erste die Sprache wieder: "Der sucht 'ne Telefonzelle!" Alle krümmten sich vor Lachen, obwohl wir insgesamt über eine Stunde verloren hatten.

Im Nachgang habe ich mich mit einem Gendarmen unterhalten. Der meinte, die CRS sei zwar auch für die Verkehrsüberwachung da, aber die meisten von denen wären dafür zuständig, bei Unruhen für Ordnung zu sorgen, also draufhauen und dann fragen, ob man Schmerzen hat. In der Hauptferienzeit werden oftmals solche Leute auf Streife über die Autobahnen geschickt. Die haben von der Materie nicht wirklich Ahnung und ich wäre wohl an so einen geraten. Puuuhhh...
LG
Thomas

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Re: Polizeikontrolle

Beitrag von Fuzzy » 10.01.2021, 16:28

:lol: :lol:

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